Seht die weltweiten Migrationsbewegungen der letzten 2600 Jahre in einer faszinierenden Videoanimation

Dr. Maximilian Schich, deutscher Kunsthistoriker an der University of Texas in Dallas, hat die großen Migrationsbewegungen in der Geschichte der Menschheit grafisch eindrucksvoll visualisiert. Seine Videoanimation Charting Culture zeigt Geburtsort und letzte Ruhestätte einflussreicher Persönlichkeiten unserer Kultur.
Schich und seine Kollegen griffen hierfür auf Freebase, eine per Crowdsourcing gespeiste Datenbank für semantische Daten, zurück, um Geburtsstätten und Sterbeorte von 120.000 Menschen, die als wichtig genug betrachtet wurden, zu erfassen.
Das Team visualisierte die Migrationsbewegungen zwischen 600 v. Chr. und 2012 anschließend auf einer Weltkarte, wobei Geburtsorte blau und Sterbeorte rot markiert wurden.
Im Verlauf des fünfeinhalbminütigen Clips sehen wir, dass es tatsächlich mal eine Zeit gab, in der alle Wege nach Rom führten. Wir sehen außerdem, wie die Seidenstraße entstand, Kunst und Kultur im Paris des 19. Jahrhunderts Einzug hielten und die Erfindung der Eisenbahn die kulturelle Migration in den Vereinigten Staaten entfachte. Nicht zu vergessen Florida, das in den 1970ern zur beliebtesten Destination für Ruheständler avancierte, die ihre letzten Tage richtig auskosten wollten.
Vor allem kommt in Charting Culture die Bedeutung der Städte zum Tragen. Während im Frankreich des 20. Jahrhundert Paris das einzige Zentrum kultureller Migration war, gab es in Deutschland mehrere große Städte, die die Massen anzogen. Ebenfalls deutlich zu sehen ist der Einfluss der Entwicklung von Technologie und Transportsystemen, im Zuge derer die Geburtsstätten bedeutender Persönlichkeiten sich weltweit mehr ausbreiteten.
Die Forscher nutzen neben Freebase auch den Google Ngram Viewer, um auf bestimmte geschichtliche Ereignisse zu stoßen, die die Attraktivität bestimmter Städte für die Menschen beeinflusst haben. Der Ngram Viewer illlustriert, wie häufig bestimmte Namen, Wörter, Sätze, Orte oder andere Schlagwörter in der Literatur innerhalb eines spezifischen Zeitraums verwendet wurden.
Die so entstandene Weltkarte ist eine faszinierende Illustration der Verbreitung menschlicher Kultur und Geschichte, auch wenn die Daten natürlich keine 100 % Korrektheit gewährleisten können bzw. viele nicht vorhandene Daten nicht in die Animationen mit einfließen konnten. Wir fänden es super, wenn Schich das Ganze nun noch etwas weiterverfolgt und vielleicht die Migrationsmuster von Künstlern und Kreativen in kulturellen Epizentren wie Berlin oder New York unter die Lupe nimmt. Bis dahin, viel Spaß mit Charting Culture.